Waldbad Falkensee – die Minus-Maximierung

1. Juli 2010
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Über die neue Preisgestaltung im Waldbad habe ich mich ja schon ausführlich hier, hier und hier ausgelassen. Bekannt ist auch, dass ein solches Bad kontinuierlich Minus macht. Es ist ein Service der Stadt für die Steuerzahler, dieses Minus Jahr für Jahr auszugleichen. Dass man allerdings massiv versucht, dieses Minus mit aller Kraft zu maximieren – das ist gerade für den Steuerzahler mehr als ärgerlich.

Es sind natürlich nur subjektive Beobachtungen – ich habe keinerlei Einblick in die Bücher des Waldbades. Aber dass man die Preise für die Langzeitnutzer drastisch reduziert und man gleichzeitig die Kurzzeitnutzer durch eine drastische Preiserhöhung rausekelt, verstehe ich einfach nicht. Dass der Parkplatz vor der Tür in diesem Jahr nur noch ganz selten voll ist, spricht allerdings Bände. Und der Gipfel der Verschwendung von Zuschüssen ist die “Schmatzinsel”. So heißt die Imbissbude in der hinteren Ecke des Waldbades, die, wie offenbar die gesamte Anlage, von der Firma “Riedrich Facility Management” betrieben wird.

Dort gibt es alles zu kaufen, was unsere Kinder fetter macht: Pommes, Currywurst, Hamburger, Hotdogs, Mikrowellen-Pizza, Eis und andere Kalorienbomben. Äpfel, Karotten, Salate 0der sonstige Ernährungsbestandteile, die nach allgemeinem Wissen als gesund gelten, sind dort nicht erhältlich. Insofern bewegt sich die Schmatzinsel auf Augenhöhe mit anderen Drei-Sterne-Pommesbuden dieser Republik. Und prinzipiell ist das ja auch nachvollziehbar – der Gewinn soll ja maximiert werden in dieser städtischen Einrichtung.

Theoretisch. Schaut man sich dann mal das Procedere in der Schmatzinsel eine Weile an, kommen Zweifel. Denn tatsächlich ist dort in erster Linie Gewinnvermeidung angesagt. Dort arbeitet ein Mensch, der sich wirklich bemüht. Ein Mann, der lieb, nett und freundlich zu allen Kunden ist.  Der fleißig ist. Der macht, was er kann. Der aber alleine ist.

Draußen vor der Schmatzinsel steht die Schlange, die ohne Probleme britische Dimensionen annimmt. Ich habe mir den Spaß gemacht, mich an einen der vor dem Imbiss stehenden Tische zu setzen und mal auf die Uhr zu schauen. Vom Blitzableiter, der offen an der Hauswand entlang in den Boden geführt ist, bis zum Empfang der Pommes-Schale vergehen für die Schlangensteher mindestens 15 Minuten. Die Schlange steht an diesem Mittwoch, der einer der kühleren Tage dieser Woche ist, über den Eingang zu den Umkleidekabinen hinaus. Wartezeit über 30 Minuten.

Während ich dort am Tisch sitze, kommen Dutzende Kinder und Jugendliche in Richtung Schmatzinsel.  Sie haben Portemonnaies in der Hand, sie wollen ihr Taschengeld ausgeben. Die meisten von ihnen aber drehen angesichts der Riesenschlange, die Loch Ness alle Ehre machen würde, wieder ab. Sie machen den “Scheibenwischer”, murmeln vor sich hin: “Bin doch nicht bescheuert und stehe hier ne halbe Stunde an.” Mit jedem einzelnen dieser potenziellen Kunden wandern wieder ein, zwei oder drei Euro zurück in die Badetasche und anschließend mit nach Hause. Und das schon seit Wochen nahezu täglich – immer, wenn das Wetter auch nur einigermaßen in Ordnung ist.

Chance vertan. Eine professionell betriebene Imbissbude würde in derselben Zeit locker den zwei- oder dreifachen Umsatz machen,  eine gut organisierte McDonalds-Filiale wohl noch deutlich mehr.

Schlimm genug ist es, dass das (städtische) Waldbad mit dieser Art Versorgung Kindern klarmacht, dass es keine Alternativen zu Fastfood gibt. Genauso schlimm ist es, wie dilettantisch man dabei auch noch vorgeht. Und bei den nächsten Haushaltsberatungen können dann die Stadtverordneten wieder über die Zuschüsse stöhnen, die man fürs Waldbad hinlegen muss.  Von unseren Steuergeldern.

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