Bruno heißt er also, der süße Racker, der uns gestern zugelaufen war. Spät am Abend haben wir sein Zuhause gefunden – durch puren Zufall, nicht weil ihn die Besitzer sonderlich vermisst hätten. Bruno war quasi schon “aktenkundig” und wurde auf unseren Fahndungsfotos wiedererkannt. Bei uns meldete sich eine befreundetes Paar, das etwa zwei Kilometer entfernt wohnt: “Der war auch schon bei uns und ist wohl öfter mal unterwegs. Der kommt aus der Koppstraße.” Nicht schlecht, die Entfernung, die der Kurzbeinige da bei brütenden 39 Grad in recht kurzer Zeit zurückgelegt hatte – und kein Wunder, dass er Nachbars Teich fast trocken gelegt hätte.
Wir fahren Bruno also nach Hause und versuchen ihn, den Besitzern zu übergeben – aber die Klingel geht nicht und auf Rufe reagiert auch niemand. Wir müssen also durch das nicht abgeschlossene Gartentürchen und direkt am Haus klingeln. Tatsächlich wird geöffnet – ein älteres Ehepaar und ein kleines Mädchen, vermutlich die Enkelin, nehmen Bruno in Empfang. Der duckt sich erstmal und scheint eine Bestrafung zu erwarten, nimmt dann aber erleichtert zur Kenntnis, dass er doch gekuschelt wird.
Meine Tochter steht daneben, ihre Augen schimnmern feucht. Sie hatte sich sofort verliebt. Die Besitzer sagen: “Ja, der läuft öfter mal weg. Aber bisher war er spätestens nach einem Tag wieder da.” Ich frage, was sie denn unternommen hätten, um Bruno zu finden? Nichts. Der Herr des Hauses hatte mittags um 12 Uhr bemerkt, dass der Mitbewohner verschwunden war. “Aber was soll ich machen?”
Die Familie hat offensichtlich, wie man Neudeutsch sagt, Migrationshintergrund. Ich erkläre, dass es ein Ordnungsamt gibt, das bis 20 UIhr besetzt und für entlaufene Hunde zuständig ist. Dass es rund um die Uhr einen dienstbereiten Tierfänger gibt. Und dass ich als ehemaliger Hundebesitzer keine ruhige Minute gehabt hätte. Brunos Eigentümer sehen das offenbar wesentlich entspannter. Ein Anruf auf dem Amt – und sie hätten Bruno sofort bei uns abholen können. So mussten wir ihm erstmal auf der Tankstelle Futter besorgen, herausfinden, wo er hingehört und ihn dorthinfahren. Auf die Idee, uns das Futter zu ersetzen (was ich natürlich abgelehnt hätte), kam dort selbstverständlich auch niemand.
Wäre es nach meiner Tochter gegangen, wäre Bruno jetzt bei uns. Vermutlich als Karl-Heinz oder sowas. Aber Karl-Heinz bzw. Bruno ist ja eine “Sache” im juristischen Sinne. Wir hätten uns der Fundunterschlagung schuldig gemacht.
Bruno hätte es gefallen. Nach kurzer Schüchternheit folgte er uns auf Schritt und Tritt, genoss die Streicheleinheiten und fing an, sich in unserem Garten zu wälzen. Als er wieder zuhause ankam, wirkte er weniger entspannt.






Nochmal ich, lieber Frank….
wenn das nächste Mal wieder ein Hundchen sich bei Euch einläuft dann sponsert McWauWau natürlich das Hundefutter – dann müßt ihr nicht zur Tankstelle -:)
lg
Petra
Hi Frank, schön, dass Du Dich dem Thema Bruno gewidmet hast. Der Kleine ist momentan nirgends zu sehen. Vielleicht haben sie ihn jetzt eingesperrt. Das Grundstück ist nach wie vor nicht gesichert und kein Hund ist mehr in Sicht. Ob es ihm gut geht? Er wird die nächste Möglichkeit nutzen, wieder abzuhauen. Glaube mir. Ich werde das beobachten. Es ist so ein überalle Maßen lieber Hundemann! Schade, das es bei Euch zeitlich momentan nicht klappt -:)
Liebe Grüße
Petra
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Wer “Hundemensch” ist, für den ist das, glaube ich, selbstverständlich. Nachdem meine beiden Jungs vor einiger Zeit mit jeweils 15 Jahren dann doch in die ewigen Jagdgründe einziehen mussten, haben wir uns erstmal entschieden, ohne eigenen Hund weiterzuleben. Es hat schlicht rationale, teils organisatorische Gründe – der Verstand siegt über das Gefühl.
Als Bruno dann mehrere Stunden bei uns war, kamen wir natürlich ins Grübeln – was ist, wenn ihn niemand abholt?
Ins Tierheim hätten wir ihn wohl kaum geben können…..
Aber es gibt viele Hunde, denen es nicht so geht, wie sie es verdient hätten – Bruno hat da sicher noch die besseren Lebensumstände.
Wir waren übrigens nicht zum ersten Mal in so einer Situation – einen Rauhaardackel-Mix und einen braunen Neufundländer hatten wir auch schon “zu Besuch”, einen Dobermann-Mischling haben wir woanders in einen fremden Garten gelotst und eingesperrt, bis ihn das Ordnungsamt übernahm – mal abgesehen von Nachbars Neufundländer-Mädchen, das fast jeder bei uns in der Straße schon mal heimgebracht hatte, bis der Besitzer endlich die undichte Stelle im Zaun fand…..
Ach. Das macht mich jetzt auch nicht wirklich glücklich.
Ich hatte so etwas schon vermutet, weil ich dieses Vorurteil habe, dass Hunde nicht einfach so weglaufen. Mit dieser groben Mutmaßung tut man dem einen oder anderen Hundebesitzer bestimmt fürchterlich Unrecht. Aber ich denke trotzdem oft, dass ein glücklicher Hund eher Menschenfreund, Haus und Hof bewacht, anstatt sich auf Wanderschaft zu begeben. Es sei denn, er fühlt sich so sicher und gut aufgehoben, dass er gerne zurückkehrt. Nach dem Motto “Nur mal kurz einen Spaziergang gemacht”. Bei Bruno scheint es eher nicht der Fall zu sein.
Eine blöde Frage, und ich hoffe, Sie damit nicht zu sehr in Verlegenheit zu bringen (wenn doch, “müssen” Sie nicht darauf eingehen (wozu Sie ja eh nicht verpflichtet sind)…): Könnte sich die Familie Winkler vorstellen, Bruno zu sich zu nehmen? Könnte man (okay, es sind doch 2 Fragen) Bruno vielleicht auslösen, freikaufen?
Bitte verzeihen Sie diese direkte Frage! Aber wenn ich sie nicht stelle, mache ich mir Vorwürfe, sie nicht gestellt zu haben. Ein sich duckender Hund bei Anblick seines Besitzers ist etwas, das mir ein bisschen weh tut. Und die doch eher lapidaren Antworten empfinde ich als, nun ja, lapidar.
Andererseits wurde Bruno dann ja doch gekuschelt. Schwierig, schwierig…
Etwas Schlaueres fällt mir jetzt auch nicht ein…
Auf jeden Fall alles Gute für Bruno! Und toll, dass Sie all das für ihn getan haben!