Linke hievt Wulff ins Bellevue

30. Juni 2010
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Habemus Bundespräsidentem! Wir haben einen neuen Leit-Wulff. Die Regierungskoalition hat ihn mit aller schwindenden Macht durchgedrückt. Und die Linke hatte daran maßgeblichen Anteil. Hätten die Anhänger von Gregor Gysi und Co. auf die Nominierung der eigenen Kandidatin Luc Jochimsen verzichtet und geschlossen im ersten Wahlgang für Joachim Gauck gestimmt, dann wäre dieser wohl zum Bundespräsidenten gewählt gewesen.

Vor dem dritten Wahlgang zog sich Jochimsen (deren Friseur vermutlich unter Mindestlohn bezahlt wird) aus dem Kandidatenkreis zurück – und die Linke in den Schmollwinkel. Sie enthielt sich überwiegend der Stimme. Die Reihen der Tigerenten-Koalition waren zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht geschlossen, aber es reichte, um Wulff – wohl gegen den Willen der Bevölkerung – durchzudrücken.

Die Linke hätte bei der Bundespräsidentenwahl die Chance gehabt, sich als ernstzunehmender, kompromissfähiger Koalitionspartner zu positionieren. Sie hätte deutlich machen können, dass die Aufarbeitung des Stasi-Unwesens, der Gauck einen Namen gab, auch ihr am Herzen liegt. Statt dessen wurde deutlich, dass die Linke weiterhin zumindest auf Bundesebene eine reine Oppositionspartei ist. Hauptsache dagegen. Und nun hat sie das erreicht, was sie angeblich ausdrücklich nicht wollte. Die Regierungsmehrheit hat den braven CDU-Parteisoldaten Wulff ins höchste Amt gehievt.

Und damit sind wir Deutschen endlich auch wieder trendmäßig auf Augenhöhe mit den Briten. Die haben kürzlich zwar die Augenbrauen angehoben, als sich Samantha Cameron als erste tätowierte First Lady präsentierte, aber die Inselbewohner haben schließlich schon schlimmere Krisen bewältigt. Nun müssen auch wir damit leben, dass die Gattin des Bundespräsidenten mit Prekariatsvignette auf dem Oberarm Staatsgäste empfängt.

Vielleicht war ja das der subtile Hintergedanke der Linken: Die früheren Proletariatssymbole sind im höchsten Amt angekommen.

Was soll´s. Zumindest war der Tag spannender als so manches Fußballspiel in den zurückliegenden Wochen. Und ganz ohne Vuvuzelas.

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2 Responses to Linke hievt Wulff ins Bellevue

  1. yxzh on 30. Juni 2010 at 21:34

    guten abend,
    es ist quatsch, dass wenn die linke für gauck im 3. wahlgang gestimmt hätte, er es auch geworden wäre, weil wulff im 3. wg eine absolute mehrheit der stimmen hatte.
    grüße

    • Frank Winkler on 30. Juni 2010 at 21:48

      Das habe ich auch nicht behauptet. Ich schrieb, dass Gauck wohl gewonnen hätte, wenn die Linke gleich im ersten Wahlgang für ihn gestimmt hätte.

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